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Über Freundschaft. Oder was ich dir noch sagen wollte

Für den besten Freund meines Vaters, deren beider Namen beinahe dieselbe Bedeutung tragen.


Bernhard. Der Bärenstarke. Kein Name könnte passender sein.


Dieser riesige Mann mit Bart und dem liebenswertesten Schalk in den Augen gehört in meine Welt seit ich denken kann. An jedem wichtigen Ereignis meines früheren Lebens war er wohl dabei; als Mann meines Gottis, als Götti meiner besten Freundin, als enger Freund meines Papis. Er war dabei, als stundenlanges Meersäuli-Streicheln im Garten noch zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte. In seinem gemütlich vollgestellten Wohnzimmer fanden die coolsten Disney-Pischiparties mit seinen beiden Töchtern statt. Und an Mädchenriegen-Wettkämpfen feuerte er uns vom Spielfeldrand an. Ich erinnere mich an gemeinsame Ausflüge in den Wald, wo wir Äste anspitzten, von welchen wir wenig später gebratene Cervelats - wir nannten sie Tintenfischbeine - knabberten. Im Rhein plantschten wir miteinander um die Wette oder stellten unsere Zelte am Ufer auf. Wenn wir beim Wandern müde wurden, durften wir auf Papis oder Bernhards Schultern reiten. Und in den Ferien mit Annina, meiner drei Tage jüngeren Freundin, bekamen wir beide dieselben Gummistiefel, weil es so oft regnete. Nun waren wir wirklich fast Zwillinge.

Bernhard und mein Gotti führten mich in die griechische Küche ein. Und sie sind mitverantwortlich, dass es auch heute noch das Grösste für mich ist, im Zelt zu schlafen. Ich erinnere mich an unzählige Geburtstage und Weihnachten, an laue Sommerfeste und gemeinsame Abendessen. Und wo meine Erinnerung nicht zurückreicht, findet sich manch ein Foto im Familienalbum. Beim Betrachten der Fotos hatte ich als Kind stets die Vorstellung, dass ich als Neugeborenes mit Leichtigkeit in einer von Bernhards grossen Händen Platz hatte. In der anderen Hand lag drei Tage nach mir Annina. Welch tolle Vorstellung.


Später, als Anninas und meine Geschenke von Plüschrobben zu Bravo-Hits-CDs wechselten, sich unsere Interessen mehr um Parties und Jungs, denn um Familie drehten, war Bernhard noch immer da. Als Anninas Familie durch die schwerste Zeit ihres Lebens ging, waren Bernhard und mein Gotti Tag und Nacht erreichbar: Sie beide waren da, als Anninas Papi an meinem 15. Geburtstag seine letzten Atemzüge nahm und sie waren da, als er drei Tage später beerdigt wurde. An Anninas 15. Geburtstag. Mit Hans-Jörgs Tod verloren Bernhard und mein Papi einen engen Freund. Und Anninas Familie gewann einen Ersatz-Papa: Es war Bernhard, der mit Annina ihre Konfirmation feierte. Er führte Anninas Schwester zum Traualtar. Und er zeigte Augenmass und Nachsicht als Anninas Bruder nach dem Verlust die wildesten Parties feierte.


Auch für meine Familie ist Bernhards Präsenz in schwierigen Zeiten unverzichtbar. Oftmals braucht er gar nicht viel zu sagen. Es sind seine sanften Augen, sein liebes Gesicht und seine warmen Umarmungen, die Trost spenden. Die Anteilnahme, die mein Gotti und er durch ihre Präsenz stets zeigen, habe ich nirgends sonst erlebt. In einem dunklen Moment meines Lebens hat meine Schwester auf den Punkt gebracht, was ich schon lange fühlte: „Bernhard und Silvia sind die treusten Menschen, die ich kenne. Sie sind immer da. Egal ob die Lebensumstände freudig oder traurig sind.“

Wenn ich an dich denke, Bernhard, dann denke ich an bärenstarke Treue. Dann denke ich daran, wie du mich, meine Familie, Annina und ihre Familie durch unzählige Jahre begleitet hast. Du hast mich gelehrt, was Freundschaft bedeutet: Da zu sein - ganz egal, wie unterschiedlich Umstände, Meinungen oder Lebensstile manchmal sein mögen. Wenn ich an dich denke, Bernhard, dann höre ich auch dein spitzbübisches Kichern. Es erinnert mich daran, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen. Weil es ohnehin zu schnell vorüber zieht.



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