Sammelaktion „Geschichten aus der Töffliwerkstatt“

17. August, kurz vor 8 Uhr, knapp 3 Kilometer südlich von Tomok auf der Insel Samosir in Sumatra


Den Fahrtwind im Gesicht schlängeln wir uns auf der schmalen Inselhauptstrasse die dschungligen Hügel empor. Patrick manövriert das Motorrad geschickt zwischen Schlaglöchern und Gegenverkehr; ich sitze voller Vorfreude auf den Tag hinter ihm. Beim ersten Hahnenkrähn sind wir aus unserer Batakhütte gekrochen und losgefahren, das Frühstück im Rucksack, um an einem kleinen See unterwegs picknicken zu können. Wir haben viel vor: auf dem westlichen Festland gibt es einen Hügel zu erklimmen, der mit einem Wasserfall und heissen Quellen lockt, im Norden der Insel warten schöne Strände und historische Sehenwürdigkeiten der lokalen Batak. Am Nachmittag wollen wir zurück in Ambarita sein, weil dort die Feierlichkeiten des indonesischen Unabhängigkeitstages stattfinden. Ich fühle mich frei, so wie immer auf dem Motorrad. Meine Gedanken schweifen zurück ins Frühjahr 2021, zu den Wochen als wir mit Motorrad und Zelt durchs menschenleere paraguayische Hinterland reisten; zurück ins letzte Frühjahr, als wir die honduranische Pirateninsel Roatán per Roller erkundeten. Und ich kann kaum glauben, dass vor genau zwei Jahren, an einem wolkenverhangenen Spätsommertag, unsere Reise ihren Anfang nahm…

…abrupt werde ich aus meinen Erinnerungen gerissen. Dass ich auf der Strasse liege, werde ich später nur noch anhand der Schürfungen an Knie, Hüfte und Ellbogen wissen. Als ich aufschaue, steht Patrick vornübergebeugt auf der Strassenseite; von unserem Motorrad keine Spur. Blut tropft auf mein Hemd und von den Gesichtern einiger Einheimischer - die wie aus dem Boden geschossen plötzlich vor uns stehen - kann ich ablesen, dass ich mich verletzt habe. Patrick zeigt auf das abgebrochene Stück Strasse, um welches sich einige der Männer versammelt haben. Dann muss er sich setzen. Während mir ein alter Mann mit grossen Blättern vom Strassenrand das Blut aus dem Gesicht wischt, merke ich, wie ich zittere. „Hospital“, sagt der Mann und reckt seine Pobacke, in welche er mit einer Handbewegung eine imaginierte Spritze spritzt.

Wenige Minuten später finde ich mich auf dem Rücksitz eines Einheimischen wieder, hinter mir fährt Patrick. Unser Roller fährt zwar noch, hat aber Einiges abgekriegt. Krampfhaft krallen sich meine Finger um ein grosses Stück Plastikverschalung, das ich auf der Strasse aufgesammelt habe. Und ich mache mir ein wenig Sorgen wie Patrick die Fahrt ins Spital meistern wird; immerhin hat er grosse Schürfungen an Schulter, Arm und Knie. Im Spital in Tuk Tuk werden wir von zwei herzlichen Pflegerinnen verarztet und schreien auf, als sie uns Desinfektionsmittel auf die Wunden giessen. Immer wieder schauen wir uns dankbar an: „Wir hatten solch ein Glück!“


Nicht so viel Glück haben wir, als am Abend die Rechnung des Mechanikers auf dem Tisch liegt. Wir können die Zusammenstellung kaum glauben und schauen vorbei, um sie uns erklären zu lassen. „We have to repair every part that is broken“, erklärt er uns. Ansonsten würde er das Motorrad nicht wieder vermieten können; Touristen seien wählerisch beim hiesigen (Über)-angebot. Wir versuchen alles; der Mechaniker bleibt hart. Seine Preise seien Fixpreise, handeln lassen würde sich nur mit dem Besitzer, der gegebenenfalls einen Teil übernähme. Am nächsten Tag schwatzen wir beim Einkauf mit Dorfbewohnern. Mitleidige Blicke haben uns schon den ganzen Tag gestreift; fragend hochgezogene Augenbrauen und Zeigefinger, die auf unsere Verbände gerichtet sind: „Accident?“ Als das Gesprächsthema von unseren Verletzungen auf die Schadenssumme des Motorrads wechselt, schnellen die Augenbrauen noch höher und Köpfe werden geschüttelt: „3,5 Million? Crazy!“ Also versuchen wir es - auf eigene Faust - bei einem anderen Mechaniker. Doch dieser winkt ab. Er könne dem anderen Mechaniker nicht in den Rücken fallen, erklärt er in gebrochenem Englisch. Wir verstehen. Hier lässt man den Dorfsegen unangetastet. Also bezahlen wir die saftige Rechnung zähneknirschend. 200‘000 Rupiah übernimmt der Besitzer, gerade soviel hat unsere Versorgung im Spital gekostet. Aber wir haben eine Idee. Als wir am Abend zuvor auf Palmwein und Geburtstagskuchen eingeladen wurden, mit den Menschen aus Tuk Tuk zusammensassen und plauderten, enstand unser Projekt „Geschichten aus der Töffliwerkstatt“: In den nächsten Wochen erzählen wir euch auf Umbali von unseren Abenteuern aus Mittelamerika. Vierzehn Geschichten sollen es werden; für jedes Motorradteil, das ersetzt werden muss, eine Geschichte. Schaut euch die Rechnung des Mechanikers an, „kauft“ ein Motorradteil und kriegt dafür eine Reiseanekdote von uns. Wir würden uns unsäglich freuen, das Töffli mit eurer Hilfe wieder flottzukriegen!


Anleitung:

  1. Rechnung anschauen und Motorradteil bzw. Betrag, welchen ihr uns schenken möcht, auswählen.

  2. In die Kommentare schreiben, für welches Motorradteil ihr euch entschieden habt (damit Teile nicht doppelt ausgewählt werden).

  3. Betrag auf Patricks Nummer (+41 79 712 03 06) twinten.

  4. In den folgenden Wochen wird auf Umbali eine Reiseanekdote erscheinen, die euch gewidmet sein wird. Falls ihr Wünsche zu einem Land oder Thema habt, dürft ihr diese gerne angeben.



Übersetzung Rechnung

  • Komplette Lampenmaske Teil 1: 31.- (466’666 IDR)

  • Komplette Lampenmaske Teil 2: 31.- (466’666 IDR)

  • Komplette Lampenmaske Teil 3: 31.- (466’666 IDR)

  • Verschalungsring bei Lampenmaske: 11.- (160‘000 IDR)

  • Mittelteil Verschalung: 17.- (260‘000 IDR)

  • Oberes Teil Trittbrett: 11.- (160‘000 IDR)

  • Unteres Teil Trittbrett: 11.- (160‘000 IDR)

  • Bodenteil: 21.- (320‘000 IDR)

  • Bodenanschluss links und rechts: 12.- (185‘000 IDR)

  • Vorderflügel: 15.- (230‘000 IDR)

  • Rückspiegel: 11.- (165‘000 IDR)

  • Auspuffmatte: 5.- (70‘000 IDR)

  • Schutzblech: 15.- (230‘000 IDR)

  • Arbeit Mechaniker: 10.- (150‘000 IDR)

Vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung!!


Und da wir uns am Morgen des 17. Augusts entschieden haben, mal wieder via Video von einem unserer Tage auf Reisen zu berichten, gibt‘s an dieser Stelle unser zweijähriges Umbali-Jubiläum samt Unfall zum Anschauen.





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